Tierarztpraxis Jennifer Rohloff

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Madenbefall

Madenbefall

Sommerzeit = Madenzeit


Jedes Jahr werden vom Frühjahr bis zum Herbst Kaninchen mit Madenbefall vorgestellt.

Da es sich hierbei um eine ernstzunehmende parasitäre Erkrankung mit oft tödlichem Ausgang handelt, sollen hier die wichtigsten Fakten zusammengestellt werden.

Wer ist gefährdet?
Alle Tiere sind prinzipiell gefährdet, doch sind Tiere in Außenstallhaltung und in Freigehegen prozentual höher betroffen als Tiere in reiner Haushaltung.
Hierbei ist die Hygiene im Stallbereich ein wichtiger, jedoch nicht der einzige, Faktor. Fliegen werden sowohl von Kot- und Urin angelockt, aber auch kotverklebtes oder verfilztes Fell bieten für die Fliegenmaden gute Entwicklungsbedingungen. Auch von offenen Wunden oder Entzündungssekret, wie es bei stark übergewichtigen Tieren in den Hautfalten vorkommen kann, geht eine starke Anziehungskraft auf Fliegen und deren Maden aus.
Besonders während feucht – warmen Wetterperioden ist die Gefahr für Madenbefall auch bei optimal gehaltenen Kaninchen erhöht.

Symptome

Von Maden befallene Kaninchen zeigen unterschiedliche und meist unspezifische Symptome. Als erstes treten meist Apathie, schlechtes Fressen und Bewegungsunlust auf. Manche Tiere zeigen Schmerzäußerungen in Form von „Zähneknirschen“ und vermehrten Putzdrang, meist in der hinteren Körperhälfte.
Sollten bereits Maden sichtbar sein oder aber größere Verletzungen sowie Muskulaturverlust an den Hintergliedmaßen, so ist der sofortige Gang zum Tierarzt unumgänglich.


Vorbeugung:

Da Fliegenmaden unter günstigen Bedingungen bereits nach 24 Stunden großen Schaden angerichtet haben können, empfiehlt sich eine tägliche Kontrolle aller Tiere des Bestandes.
Besonderes Augenmerk sollte hierbei auf die Analregion gerichtet werden. Finden sich hier Kotverklebungen oder Anzeichen für Durchfall so sollte das Tier gründlich gewaschen werden und anschließend vollkommen abgetrocknet werden bevor es wieder in den gereinigten Käfig kommt.
Für die Käfige empfehlen sich Fliegennetze, die über die normalen Käfigdrähte gespannt werden, um so den Fliegen das Eindringen in die Käfige zu erschweren.

Krankheitsablauf:
Fliegen legen ihre Eier bevorzugt in der hinteren Körperregion, hier besonders um den After, ab. Unter günstigen Bedingungen entwickeln sich die Eier innerhalb weniger Stunden zu Maden, die sich dann in die Haut des Tieres einbohren. Die Fraßgänge der Maden verursachen Entzündungen, welche zu den Hauptsymptomen wie Apathie und Freßunlust führen. Nach der Haut fressen sich die Maden in die oberflächliche und tiefe Muskulatur und die Bauchhöhle vor. Sind die Maden in die Bauchhöhle eingedrungen, werden auch die Organe von den gefräßigen Parasiten nicht verschont.

Therapiemöglichkeiten:
Sollten Kaninchen von Maden befallen sein ( oder auch nur der Verdacht hierauf bestehen ) müssen die Tiere dringend weiter untersucht werden. Da Fliegenmaden sehr schnell in das Gewebe und auch in die inneren Organe eindringen, ist Zeit hier ein wichtiger Faktor.
Bei leichtem Befall und ohne Eindringen in die Bauchhöhle kann ein Absammeln der Maden möglich sein. Da dies für die Tiere sehr viel Stress bedeutet wird dies in der Regel unter Narkose erfolgen. Zuerst werden die betroffenen Regionen geschoren und im Anschluss die Maden entfernt. Werden hierbei bereits Fraßgänge in die Haut gefunden, müssen diese kontrolliert und auch hier die Maden möglichst vollständig entfernt werden. Einzelne verbleibende Maden können durch Anwendung von antiparasitären Mitteln abgetötet werden.
Dies bedeutet unter Umständen einen hohen Zeitaufwand, und somit eine lange Narkose für das Kaninchen.
Im folgenden muss das Tier unter täglicher Kontrolle, sowie Schmerzmittel- und Antibiotikaeinsatz weiter therapiert werden. Auch die beste Versorgung ist hier jedoch keine Garantie für das Überleben des Tieres, da sich der Zustand durch Folgeinfektionen soweit verschlechtern kann, das ein Weiterleben des Tieres nicht tierschutzgerecht ist und trotz hohem zeitlichem und finanziellem Aufwand eine Euthanasie anzuraten ist.

Tritt der schlimmste Fall ein, und es werden Madengänge in die Bauch- oder Brusthöhle gefunden, so ist das Tier in der Regel rettungslos verloren und sollte sofort euthanasiert werden.